Passivrauchen

passivrauchenPassivrauchen, also das Inhalieren von Tabakrauch aus der Luft, stellt ein Gesundheitsrisiko dar, wenn auch ein geringeres als aktives Rauchen. Einer globalen Studie zufolge fordert es jährlich 600.000 Todesopfer, wovon 27,5 % Kinder sind. Passivrauchen ist nachweisbar der gefährlichste zu vermeidende Innenraum-Schadstoff, von welchem permanent unzählige Menschen belastet werden. Da bestimmte Orte keinen Schutz vor dem Passivrauchen bieten, wird das Thema heftig diskutiert. Vor allem für Personen, die dem Schadstoff regelmäßig ausgesetzt sind, stellt die ungewollte Aufnahme des Rauchs ein großes Risiko dar.

 

Haupt- und Nebenstromrauch

Während des Rauchens entstehen in der Umgebung der Haupt- und der Nebenstromrauch. Ersteres ist der Rauch, den der Konsument inhaliert und anschließend beim exhalieren an die Luft abgibt. Der Nebenstromrauch entsteht während der Rauchpausen, bei denen die Zigarette bei niedrigeren Temperaturen weiterglimmt. Schätzungsweise verbrennen über 55 % einer Zigarette zum Nebenstromrauch. Die in der Umgebung anwesenden Menschen inhalieren allesamt zwangsläufig den freigesetzten Rauch und selbst die Schadstoffbelastung unter freiem Himmel birgt viele Risiken, wenn auch geringere, als in geschlossenen Räumen.

 

Zusammensetzung

Tabakrauch ist ein Gemisch aus Partikeln und gasförmigen Substanzen, von denen nachweislich mindestens 69 krebserregend sind. Bislang wurde nur eine Studie veröffentlicht, die den Haupt- und den Nebenstromrauch mit einander vergleicht.

Demnach liegen einige im Nebenstromrauch enthaltenen Stoffe in höheren Konzentrationen vor, als sie es im Hauptstromrauch tun. Zu ihnen gehören unter anderem Ammoniak, Formaldehyd, Pyridin und Chinolin. Stoffe wie Benzol, Blausäure und Quecksilber weisen beim Haupt- und Nebenstromrauch eine gleichhohe Konzentration auf, während Nitrosamine im Nebenstromrauch etwas geringere Werte aufweisen und Blei nur im Hauptstrom zu finden war.

Passivrauch leistet einen nennenswerten Beitrag zum Krebsrisiko bei und wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Karzinogen (krebserregender Stoff) der Gruppe 1 eingestuft. Zudem enthält Passivrauch toxische Substanzen wie Nikotin, Kohlenmonoxid und Ammoniak. Zusätzlich ist der enthaltene scharfe Feinstaub, der tief in die Lunge dringt und Schwermetalle sowie radioaktive Gase mitttransportiert, sehr schädlich.

 

Gesundheitsrisiko und Sterbefälle

Zahlreichen Studien zu Folge erhöht Passivraufen das Lungenkrebsrisiko um etwa 20 % und die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls um 80 %. Zudem steigert es das Risiko einer koronaren Herzerkrankung um 20 % und verdoppelt die Wahrscheinlichkeit, Asthma zu entwickeln. Durch regelmäßiges Passivrauchen steigt außerdem das COPD-Risiko um über 30 % und die Wahrscheinlichkeit für ein niedriges Geburtsgewicht um 40 %.

In Deutschland sind laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) 35 Millionen Erwachsene den Schadstoffen des Passivrauchs ausgesetzt. Etwa 8 Millionen Jugendliche und Kinder leben in einem Haushalt, in dem mindestens eine Person raucht. 170.000 Schwangere Frauen kontaminieren außerdem ihren Fötus durch aktives Rauchen. Somit sterben in Deutschland jährlich ca. 3.300 und weltweit etwa 600.000 Nicht-Raucher an den Folgen des Passivrauchens.

Das passive Rauchen übertrifft mit 0,3 % aller jährlichen Todesfälle in Deutschland die Anzahl der Toten durch illegale Drogen und Asbest. Von allen durch Passivrauchen verursachten Todesfällen in Deutschland sterben über 2.100 Menschen durch koronare Herzkrankheiten, 770 durch Schlaganfälle, 260 aufgrund von Lungenkrebs und 60 durch Nikotin-Vergiftungen.

 

Maßnahmen

Eine virtuelle Trennung von Nichtraucher- und Raucher-Arealen bietet keinen ausreichenden Zufluchtsraum vor den Auswirkungen des Passivrauchens. Ein effektiver Schutz kann nur durch ein vollkommenes Verbot des Tabakkonsums in öffentlichen Räumen und am Arbeitsplatz gewährleistet werden. In Schulen sollte das Rauchverbot selbstverständlichsein aber Nicht-Raucher sollten auch in Restaurants, Cafés und Bars auf den Schadstoff verzichten können.

In einigen europäischen Ländern wurden bereits verschiedene Nichtraucher-Schutzgesetzte durchgesetzt. So ist in Deutschland die Fernseh- und Hörfunkwerbung für Tabakprodukte seit 1975 verboten und die WHO-Tabakrahmenkonvention trat im Jahr 2005 in Kraft. Durch diese ist Deutschland verpflichtet, die Verminderung und Verhinderung von Tabakkonsum und des Passivrauchens mit geeigneten Maßnahmen umzusetzen.

Bei einer Studie aus dem Jahr 2007 wurde die Wirksamkeit der Nichtraucherschutzgesetzte in 30 europäischen Ländern miteinander verglichen. Deutschland wurde in Hinblick auf die Tabakregulierungen als das am meisten problematische Land Europaseingestuft und landete auf Platz 27.