Medikamente gegen die Nikotinsucht

MedikamentePersonen, die mehrfach erfolglos versucht haben, mit dem Rauchen aufzuhören, können gewisse Medikamente verschrieben bekommen. Diese sind in der Regel rezeptpflichtig, da sie ernste Nebenwirkungen haben können. Meistens handelt es sich bei der medikamentösen Behandlung um nicht-nikotinhaltige Antidepressiva. Die bekanntesten und bewährtesten nicht-nikotinhaltigen Medikamente sind Vareniclin sowie die Antidepressiva Bupropion und Nortriptylin. Wie auch bei der Nikotinersatztherapie empfiehlt es sich, die Behandlung zusätzlich mit einer Therapie zu kombinieren.

 

Vareniclin

Vareniclin ist ein Wirkstoff, der speziell für die Entwöhnung vom Tabakkonsum entwickelt wurde. Es schwächt das Verlangen nach einer Zigarette und lindert die Entzugserscheinungen. Die Einnahme kann aber auch zu starken Nebenwirkungen führen. Der Wirkstoff ist seit 2006 in Europa zugelassen und unter dem Namen Champix® bekannt.

 

Wirkungsweise

Nikotin bindet sich an gewisse Rezeptoren (Stellen im Nervengewebe), wobei der Botenstoff Acetylcholin ausgeschüttet wird. Acetylcholin verursacht durch die Erregung eines Zentrums im Gehirn angenehme Gefühle und somit ein wiederkehrendes Verlangen nach Nikotin. Da Vareniclin sich auch an die Rezeptoren der Nerven bindet, löst es ebenfalls eine Reaktion aus. Diese ist schwächer, kann aber trotzdem das Nikotin verdrängen. Das Medikament vermindertsomit einerseits die Verstärkungs- und Belohnungseffekte des Rauchens und lindert andererseits die Entzugserscheinungenund das Rauchverlangen.

 

Mögliche Nebenwirkungen

  • Übelkein
  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Schlafstörungen
  • Somnolenz (Benommenheit) und Vertigo (Schwindel)
  • Geschmacksstörungen
  • Albträume

 

Durch Benommenheit und Schwindel kann es außerdem zu einer Beeinträchtigung beim Bedienen von Maschinen oder beim Autofahren kommen. Zudem werden Fälle untersucht, bei denen es aufgrund von der Einnahme von Vareniclin zuDepressionen, Selbstmordgedanken sowie Selbstmord, Aggressivität und auffälligem Verhalten gekommen sein soll. Ein direkter Zusammenhang konnte jedoch bisher nicht bestätigt werden. Bei ungewöhnlichen Verhaltens- oder Stimmungsveränderungen, sollte der behandelnde Arzt umgehend darüber informiert werden.

 

 

Bupropion

Buprpion ist ein Antidepressivum, das auch zur Behandlung bei einer Nikotinabhängigkeit zugelassen ist. Es handelt sich um einen selektiven Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, der in Deutschland unter dem Namen Zyban® erhältlich ist. Es ist nicht geklärt, welche Mechanismen genau die Rauchentwöhnung fördern, zahlreiche Studien bestätigen allerdings, dass durch die Einnahme von Bupropion das Rauchverlangen und die Entzugserscheinungen gelindert werden. Allerdings kann das Medikament auch viele Nebenwirkungen hervorrufen.

 

Studien

Eine Metaanalyse von 31 Studien hat ergeben, dass sich die Erfolgswahrscheinlichkeit der Rauchentwöhnung bei der Behandlung mit Bupropion verdoppelt. Somit ist das Medikament so wirksam wie Nikotinpflaster. Eine gleichzeitige Behandlung mit Nikotinpflastern und Bupropion verbessert die Abstinenzrate allerdings nicht. Hinweisen zufolge ist die Erfolgsrate von Bupropion geringer als die von Vareniclin.

 

Mögliche Nebenwirkungen

  • Schlafstörungen
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Schwindel

 

Auch Bupropion kann in einzelnen Fällen zu Selbstmordgedanken oder Depressionen führen. Die Behandlung mit Bupropion ist insbesondere bei einer bestehenden psychischen Erkrankung nur unter einer ärztlichen Betreuung zu empfehlen. Eine zu hohe Dosis kann unter anderem zu tödlichen Krampfanfällen führen, weshalb das Medikament in den USA zeitweilig verboten war. Wenn ungewöhnliche Stimmungs- oder Verhaltensveränderungen auftreten, sollte der behandelnde Arzt umgehend darüber informiert werden.

 

 

Nortriptylin

Nortriptylin ist ein trizyklisches Antidepressivum, welches neuen Studien zufolge einen Rauchstopp effektiv unterstützenkann. In den meistens Ländern ist es allerdings nicht für die Tabakentwöhnung zugelassen und es wird zurzeit nur in wenigen Fällen, bei sehr starker Abhängigkeit verschrieben.

 

Wirkung und Studien

Nortriptylin hat eine starke Wirkung auf die Nordadrenalin-Wiederaufnahme und eine geringere Wiederaufnahmehemmung von Serotonin. Derzeit gibt es 8 Studien zu Nortriptylin, welche bestätigen, dass die Behandlung mit dem Medikament die Abstinenzrate durchschnittlich um 20 % erhöht. Eine kleine Studie hat außerdem ergeben, dass die Abstinenzrate bei einer Kombination mit Nikotinpflastern um weitere 6 % gesteigert wird. Diese Studien erreichen allerdings keine statistische Signifikanz und reichen nicht für die Zulassung von Nortriptylin als Mittel zur Tabakentwöhnung aus.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Verstopfung
  • Sedierung
  • Harnverhalten
  • Herzprobleme

 

 

Weitere Antidepressiva

Weder selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wie Fluoxetin oder Paroxetin, noch der MAO-Hemmer Moclobemin konnten keinen Nutzen in Bezug auf eine langfristige Abstinenz beim Rauchen zeigen.